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Hallo

 

Nun, bei mir ging es in dieser Zeit, wie du meiner Mail entnehmen kannst, im wahrsten Sinne des Wortes, drunter und drüber.

Ich sitze gerade an meinem kleinen Heim – PC und schreibe dir diesen Brief, den ich dir spätestens morgen per E – Mail übersenden möchte.

 

Leider konnte ich dich nicht, wie eigentlich geplant vor deiner Abreise aus HRO noch mal sehen, aber bei mir lief irgendwie ganz plötzlich alles aus dem Ruder.

 

Ich habe dir mit Sicherheit schon erzählt, dass ich durch meine Zweite Geschichtsprüfung durchgefallen bin und das mir damit die Zwangsexmatrikulation drohte.

 

Ja du hörst richtig – mir drohte der Rausschmiss.

 

Kurz entschlossen und ziemlich niedergeschlagen, habe ich mich dann dazu durchgerungen mein Nebenfach Geschichte aufzugeben und Erziehungswissenschaften anzugehen.

 

Verhältnismäßig glücklich über diese Entscheidung ging ich also voller Hoffnung am nur 3 Tage nach meinem kläglich Versagen  in der Prüfung zum Studentensekretariat, das mir dann in ihrer außerordentlich liebenswürdigen Art offenbarte, dass ich nicht mehr zu Erziehungswissenschaften wechseln könne, da Erziehungswissenschaften an der Universität Rostock nicht mehr als Magister Nebenfach angeboten wird und ich solle mir doch bitte eine Einstufung vom Studienfachberater Herrn F. fürs 3. Fachsemester holen, dann könne das alles seinen sozialistischen Gang gehen.

 

Das tat es dann auch – aber dazu komme ich später noch einmal!!!!!!!!!!!!!

 

Susi Sorgenvoll also hoffnungsarm auf dem Weg zu Herrn F., dieser äußerst freundlich (wirklich sehr nett) gab mir nach einer kurzen Erklärung meinerseits über die Dringlichkeit  des Schreibens seine (oder besser meine) Einstufung fürs 3. Fachsemester und Susi Sorglos stiefelte wieder zum Studentensekretariat – wo eine äußerst angenervte Persönlichkeit mir mein Umschreibeantrag und mein Einstufungsbescheid abnahm und meinte ich solle in 4 Wochen wiederkommen und mir mein Leporello abholen.

 

Da alles geschah Mitte Juli.!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

 

Faul  wie ich bin ging ich natürlich erst letzte Woche zum Studi. – Sigi. Um mir mein Leporello abzuholen – dort offenbarte mir dann eine äußerst gereizte Dame, das noch nichts im Computer verzeichnet sei, und mein Antrag wohl noch nicht bearbeitet worden ist – ich erklärte ihr dann in meiner liebenswürdigen und netten Art, dass ich den Antrag bereits im Juli abgegeben hätte.

 

Sie meinte daraufhin, dass sie erst die Kollegin finden müsse und ich mich bitte am Freitag nochmals bei ihr melden sollte.  (Es war übrigens Mittwoch)

 

Total am Ende meiner Kräfte, die Trümmer meines Lebens am Boden liegen sehend, ging ich nach Hause, wo ich zunächst einmal weinend zusammenbrach und meine liebe Kirstin (Mitbewohnerin und eine meiner liebsten Freunde) mich nach bestem Wissen aufzubauen versuchte, aber ich erklärte ihr bereits damals das sich nicht alles einfach so klären würde, weil es einfach zu einfach wäre.

 

Eine andere liebe Freundin (Steffi) nahm mich am nächsten Tag an die Hand und ging nocheinmal mit mir  ins Studi. – Sigi. Woraufhin mir die gleiche unfreundliche Sachbearbeiterin in einem schroffen Ton mitteilte, dass ja heute gar nicht Freitag sei, sondern Donnerstag und ich sie doch bitte am frühen Abend (gegen 16 Uhr) telefonisch kontaktieren solle.

 

Nun ich ging, nervlich noch immer leicht angeschlagen zu Kolla um ihre Hausarbeiten zu lesen – Ablenkung pur – sozusagen.

 

Gegen 15 Uhr meinte Kolla dann, mich zu einem Gespräch mit meiner Sachbearbeiterin zu nötigen, die mir dann in einem äußerst schüchternen Tonfall erklärte, wie leid es ihr doch täte, aber sie hätte meinen Antrag nicht gefunden, verbunden mit der Frage, ob ich denn schon einen Antrag beim Magisterprüfungsausschuss gestellt hätte.

Hatte ich natürlich nicht, weil mir auch nicht wirklich jemand gesagt hat, das ich einen solchen Antrag stellen müsse. Ich, also dumm wie Weizenbrot, und am Boden zerstört, nervlich total am Ende, versuchte am diesem Donnerstag, auf anraten von Frau L., Herrn W. ans Telefon zu bekommen. Ich weiß nicht, ob du es weißt, aber Herr W. ist der Magisterprüfungsausschussvorsitzende. Ich bekam ihn natürlich erst endlose Stunden später an die Strippe und er erklärte mir in einem sehr unfreundlichem und ungeduldigen Ton, das alles, was bisher gelaufen sei, illegal ist und es schließlich und endlich Gesetze gebe, an die er sich zu halten habe. Nach zirka einer halben Stunde und mehreren Weinkrämpfen meinerseits meinte er schließlich, er werde sich erkundigen, was man (oder  er) da machen könne.  Nun ja, es begann in diesem Augenblick eine lange Zeit des Wartens und es kann echt grausam sein, wenn du so lange warten musst (immerhin bis Dienstag).

Susi Sorgenvoll ging also erst mal am Freitag nochmals zum Studentensekretariat und besorgte sich einen Umschreibeantrag, um dann sofort bei Herrn F. vorzusprechen und eine neue Einstufung fürs 3. Fachsemester Erziehungswissenschaften zu beschaffen. (Natürlich alles auf ausdrückliche Anweisung von Herrn W.). Herr F. freute sich ein Loch in den Bauch, dass die Damen vom Studentensekretariat Anträge verschlampen, und stellte mir ohne zu Zucken eine neue Einstufung aus.

Alsdann kam auch schon besagter Dienstag, völlig verängstigt, der drohenden Gefahr schüchtern ins Auge blickend, saß ich bereits eine Stunde vor dem eigentlichen Termin vor W.s Büro. Er kam natürlich pünktlich und war äußerst freundlich und zuvorkommend und meinte, halt dich jetzt bitte gut fest!!!

Ich stelle einen begründeten Einzelfall da und bin daher eine Ausnahme an der Universität Rostock, da ein Gesetz besagt, dass zwischen den einzelnen Fächern nur noch maximal 2 Fachsemester liegen dürfen.!!!!!

 

Total begeistert, mein Glück nicht fassend, lief ich, nein besser ich flog, zum Studentensekretariat um dort, bei Frau L.  persönlich, meinen Antrag abzugeben, mit der Frage auf den Lippen, ob denn dieser auch wieder verschwinden würde. Natürlich nicht, lautete ihre Antwort und gestern erhielt ich dann endlich mein neues Leporello, auf dem schriftlich verankert ist, dass ich Erziehungswissenschaften im 3. Fachsemester studiere. Ich, stolz wie Oskar, zeige es natürlich jedem, der mich in den letzten Wochen erleben musste.

 

Ja, dass war sie, die große Geschichte, auf die wohl jeder gerne verzichten möchte, die aber meine nervliche Verfassung völlig auf den Kopf stellte und ich eigentlich vor mir selbst nicht sicher war.

Es ist wirklich war, ich habe schon seit Jahren nicht mehr an so etwas wie Selbstmord gedacht, aber es sind eben diese Gedanken gewesen, die brandaktuell und immer präsent waren. Ich sage bewusst, „waren“, weil ich auch sagen muß, dass ich aus der Geschichte gelernt habe, dass man den Kopf nicht vorschnell in den Sand stecken soll und dass es immer einen neuen Morgen gibt.

            Von daher kann man wohl allem etwas gutes abgewinnen.

 
Bis bald, machs’ gut und ich denk an dich
21.1.07 18:25
 


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