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Zum Tode von Michael T.

 

Er wählte diesen Weg

 

Ich habe dich geliebt und ich weine um dich

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Ich kann  das alles nicht verstehen, es fällt schwer zu begreifen, warum er diesen Weg ging. – Warum nur?
Manchmal ist die Kraft zu ende – manchmal ist der Schmerz zu groß – der Schock zu tief – manchmal fehlen nicht nur die Worte – manchmal fehlen auch die Tränen, die ihre heilende Wirkung auf den unendlichen Schmerz fallen lassen – ihn von dir nehmen und einfach helfen, die Freude am Leben zurückzugewinnen.
Es scheint mir unbegreiflich, wie es so sein kann. Unendlich schwer einen Weg zu finden, der lehrt, damit zu leben.
Am Ende sind wir doch alle allein, wir können nicht verstehen, wie dies geschehen konnte, wie kann ein Mensch einen solchen Weg für sich wählen – furchtbar einfach – einfach so?
Vielleicht hat er verstanden, dass er allein ist – vielleicht sind wir es alle – vielleicht trauen sich nur die wenigsten, sich einzugestehen, dass sie, wenn sie ehrlich zu sich selbst sind, alleine sind. Die Konsequenz aus diesem Geständnis ist der Weg den Michael wählte. Sicher, man hat Freunde, Familie, Verantwortung gegenüber den Lieben und gegenüber sich selbst. Verpflichtungen, sind es sie, die uns am Leben halten?!. Die Verantwortung ein ordentliches Leben zu führen, nicht aufzufallen, die Normen und Werte dieser kranken Gesellschaft für sich zu verinnerlichen, die Verpflichtung niemanden zu enttäuschen, niemanden!!! – nicht seine Familie, nicht seine Freunde. Wobei gerade sie es doch sein sollten, die keine Erwartungen an einen stellen sollten oder dürften. Daraus ergebe sich dann die Frage, ob Freunde erwarten dürfen, dass man sein Leben nach ihren Vorstellungen zu führen hat – also: Darf man erwarten, dass er sich nicht das Leben nimmt?
Eigentlich ja, denn Selbstmord ist gesellschaftlich tabu, aber eigentlich auch nein – es war sein freier Wille, welche Gründe, so nichtig sie auch scheinen mögen, dazu letztlich führten, sind unerheblich.
Man kann nicht verstehen, nicht nachvollziehbar ist dieser Schritt, die Frage nach dem Warum nur, immer wieder schreit sie lautlos durch mein Inneres. Sie macht es so schwer, damit umzugehen, sie wird immer da sein, immer schmerzen, und doch lässt sie uns nicht lernen. Immer wieder geschieht das scheinbar unfassbare, in unregelmäßigen Abständen werden wir durch das Ende eines Lebens geschockt, und immer wieder diese Frage – warum – wie konnte dies geschehen? – wir finden keine Antwort, egal wie oft man uns üben lässt, damit umgehen zu lernen, niemals, und immer wieder der Versuch, ein lähmender Versuch, in Zukunft empfänglicher zu sein, empfänglicher für die Hoffnungslosigkeit und den Schmerz anderer.
Und doch wird es wieder passieren – wieder werden wir geschockt, fragend, gelähmt und unendlich traurig an einem Grab stehen.
Letztlich ist es nicht der eigentliche Schmerz über die nicht zu schließende Lücke, es ist das Unverständnis über die Motive, über die Unverantwortlichkeit, über die Mutlosigkeit, die ihn trieb. Es erscheint feige, einfach zu gehen – nicht zu kämpfen um das eigene Leben, um das verlorene Glück – einfach feige zu gehen – alles hinter sich zu lassen – ohne Gedanken an die lieben Hinterbliebenen.
Letztendlich sind wir alle Alleine – die einen finden einen Weg, damit zu leben – andere finden ihn nicht – und hinterlassen tiefen Schmerz. Unbeschreibbar ist dieser Schmerz, aber hat er ein Recht, so unbeschreibbar zu sein? Nein – es war sein Wille, er wollte es so, er hat sein Ende selbst gewählt – aus liebe zu einem Menschen, müssen wir dies akzeptieren, ohne unsere eigenen Verantwortlichkeiten zu verurteilen, einfach akzeptieren, respektieren, dass er nicht mehr wollte.
Es ist schwer – aber am Ende ist es der einzige (gesunde) Weg, damit einen friedvollen Umgang zu finden.
 
Susi
 
(geschrieben am 23. April 2002)

 

21.1.07 18:09
 


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